Entwicklung des österreichischen Bahn­netzes

Auf dieser Seite wird die historische Ent­wicklung des Eisen­bahn­netzes in Österreich kurz erläutert.

 

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  • Schematische Karten des Bahn­netzes für viele Fahr­plan­jahre von 1920 bis heute findet man auf folgender Web­site: https://bahnnetz-at.jimdo.com/

Anfänge bis zum 2. Weltkrieg

Die erste Eisenbahn in Österreich war die Pferde­bahn Budweis - Linz - Gmunden, die bereits im Jahre 1832 eröffnet werden konnte. 1837 wurde das Teil­stück (Wien) Floridsdorf - Deutsch Wagram der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn fertiggestellt, dabei handelte es sich um die erste Dampfeisen­bahn Österreichs. Daraufhin kam es zu einem massiven Ausbau des Eisenbahn­netzes und auch komplizierte Strecken wie die Über­querung des Semmerings (1854) als Teil der Südbahn wurden durchgeführt.

 

Einige wichtige Bahn­linien konnten noch vor dem ersten Welt­krieg fertig­gestellt werden, unter anderem:

  • Pyhrnbahn, Eröffnung 1905/1906
  • Mariazeller­bahn, Eröffnung 1906/1907
  • Tauernbahn, Eröffnung 1909

Beispiele für geplante Strecken

Der erste Weltkrieg verhinderte den Bau zahl­reicher schon geplanter Bahn­strecken. Es war vor allem ange­dacht, viele Stich­bahnen zu ver­längern:

  • Gußwerk - Au-Seewiesen (Mariazeller­bahn, Schmal­spur)
  • Kernhof  - Terz - Mariazell bzw. Neuberg
  • Türnitz - Mariazell
  • Litschau - Nová Bystřice (Schmal­spur­bahn)
  • Groß Gerungs - Ottenschlag (Schmal­spur­bahn)
  • Groß Gerungs - Grein an der Donau (Schmal­spur­bahn)
  • Langschlag - Freistadt
  • Martinsberg-Gutenbrunn/Ottenschlag - Anschluss Donau­ufer­bahn
  • Raabs an der Thaya - Drosendorf
  • Aigen-Schlägl - Želnava (Salnau)
  • Oepping (?) - Wegscheid
  • Haag am Hausruck - Pram
  • Bürmoos - Anschluss Mattigtal­bahn
  • Landeck - Mals (Reschen­bahn)
  • Bezau - Schoppernau (Bregenzer­wald­bahn, Schmal­spur)

 

In der Zwischen­kriegszeit wurden aufgrund des zunehmenden Straßen­verkehrs nur noch wenige Strecken eröffnet (z. B. schmal­spurige Strecke nach Gresten 1927).

Größte Ausdehnung und Beginn von Streckeneinstellungen

In der Zeit zwischen den beiden Welt­kriegen kam es zu ersten Strecken­still­legungen, sodass das österreichische Eisen­bahn­netz seine größte Aus­dehnung um ca. 1930 erreicht haben dürfte. Aufge­lassen wurden zum Beispiel:

  • Zahnradbahn auf den Kahlenberg bei Wien (1922)
  • Zahnradbahn auf den Gaisberg bei Salzburg (1928)
  • Mödling - Hinterbrühl (1932)
  • Mödling - Laxenburg (1932)
  • Sierning - Bad Hall (1933)
  • Oberloisdorf - Lutzmanns­burg (1933)

Nachkriegszeit bis Jahrtausendwende

Relativ kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden viele Strecken in den Ostblock bzw. nach Jugoslawien einge­stellt:

  • Fratres - Slavonice
  • Laa an der Thaya - Hevlin
  • Wolfsthal - Bratislava (Pressburg)
  • Parndorf - Bratislava (1998 wieder­eröffnet)
  • Rechnitz - Szombathely
  • Güssing - Körmend
  • Bad Radkersburg - Gornja Radgona/Ober­radkers­burg (Radkers­burger Bahn)

 

Andere Eisen­bahn­linien blieben erhalten, wurden aber wegen des rückläufigen Verkehrs auf ein Gleis zurück­gebaut. Auswahl ehemals zwei­gleisiger Strecken:

  • Stadlau - Marchegg (March­egger Ostbahn); wird wieder zwei­gleisig ausge­baut und elektri­fiziert.
  • Absdorf-Hippersdorf - České Velenice/Gmünd Hbf. (Franz-Josefs-Bahn)
  • Viehofen - Herzogenburg
  • Graz-Puntigam - Spielfeld-Straß (Südbahn); wird wieder bzw. ist teil­weise schon zwei­gleisig ausge­baut.

 

In den Folgejahren wurde auf weiteren Linien vor allem der Personen­verkehr aufgegeben, während der Güter­verkehr auf einigen Eisen­bahn­strecken noch viele weitere Jahre bestand bzw. bis heute besteht.

 

1964 konnte die Jauntal­bahn in Betrieb genommen werden, was der erste Strecken­neubau seit vielen Jahren war. Außer­dem begann man, die Tauern­bahn zwei­gleisig auszu­bauen bzw. zu begradigen und viele Strecken zu elektri­fizieren.

Planungen in den 90er Jahren

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Neben­bahnen einge­stellt ("Rückzug aus der Fläche"), allerdings gab es auch Positives wie die Einführung des NAT 91 (Neuer Austro-Takt). Ab Mitte der 90er Jahre wurden erstmals auch wieder größere Investitionen ins Bahn­netz vorgenommmen - z. B. wurde mit dem Ausbau der West­bahn begonnen.

 

Die folgende Karte zeigt das geplante österreichische Eisen­bahnnetz mit Personen­verkehr für das Jahr 1992:

 

Österreichisches Eisenbahnnetz mit Personenverkehr, voraussichtlicher Stand 1992; Quelle: unbekannt
Österreichisches Eisenbahnnetz mit Personenverkehr, voraussichtlicher Stand 1992; Quelle: unbekannt

 

Wie man sieht, sind einige der damals aufgegebenen bzw. von einer Einstellung bedrohten Stecken (strichlierte Linien) sogar noch heute in Betrieb. Allerdings sind zwei Bahnen verschwunden, deren Existenz damals als gesichert galt:

  • Hainfeld - Weissenbach-Neuhaus (eingestellt 2004 bzw. 2005)
  • Weizelsdorf - Rosenbach (Rosentalbahn, aufgelassen 2016)

Weitere Entwicklung und das Zielnetz 2025+

Um das Jahr 2010 wurde von den ÖBB über­legt, wie ein Zielnetz 2025+ aus­sehen könnte. Viele Neben­bahnen standen auf dem Prüf­stand, wie die folgende Grafik aus dem Standard zeigt:

 

Einstellungsgefährdete Nebenbahnen, Stand ca. 2010; Quelle: Der Standard/APA/ÖBB
Einstellungsgefährdete Nebenbahnen, Stand ca. 2010; Quelle: Der Standard/APA/ÖBB

 

Viele Strecken der Kategorie Z waren schon lange einge­stellt und sind mittler­weile meist abge­tragen bzw. werden als Museums­bahnen oder Bahn­trassen­rad­wege genutzt. Aller­dings ist die Strecke mit der Nummer 14 (Pernhofen - Zellern­dorf) noch im Jahre 2019 in Betrieb, wenn­gleich auch stark ein­stellungs­gefährdet.

 

Einige Strecken der Kategorie W sind mittler­weile aufge­lassen. Jedoch scheint die Zukunft vieler dieser Bahnen zumindest vorerst gesichert, wenn auch nicht immer mit öffentlichem Personen­verkehr. Wären alle grünen Strecken aufge­lassen worden, hätte es fast keine Neben­bahnen mehr in Österreich gegeben ...

Zielnetz 2025+ der ÖBB

Die folgende Abbildung zeigt das schließlich geplante Zielnetz 2025+ der ÖBB, das Sie sich nach dem Bild auch als PDF in hoher Auflösung herunterladen können:

 

Geplantes Zielnetz 2025+ der ÖBB; Quelle: ÖBB Infrastruktur
Geplantes Zielnetz 2025+ der ÖBB; Quelle: ÖBB Infrastruktur
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Zielnetz 2025+
Zielnetz_2025_OEBB_Streckenplan.pdf
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Ob das so umgesetzt wird, ist nicht ganz sicher, aller­dings wurden ab dem Jahr 2010 schon viele Strecken -  insbe­sondere in Nieder­österreich - einge­stellt bzw. an private Betreiber über­geben, um dieses Ziel­netz zu erreichen. Dennoch gibt es für die ver­bliebenen Strecken Grund zur Hoffnung, siehe die folgenden Abschnitte.

 

Zudem trennten sich die ÖBB von allen Schmal­spur­bahnen: Einige dieser Strecken werden von den Bundes­ländern weiter­betrieben (Pinz­gauer Lokal­bahn, Mariazeller­bahn, City­bahn Waidhofen), andere sind noch als Museums­bahnen in Ver­wendung (Waldviertler Schmal­spur­bahnen, Ybbstal­bahn Berg­strecke, ...).

 

Beispiele einge­stellter Strecken:

  • Gstadt - Lunz am See bzw. Ybbsitz (Ybbstal­bahn, 2009/2010 einge­stellt)
  • Ober-Grafendorf - Mank (Krumpe, 2010 aufge­lassen)
  • Freiland - St. Aegyd (Traisen­tal­bahn, Personen­ver­kehr 2010 einge­stellt; noch privater Güter­verkehr)
  • Scheibbs - Kienberg-Gaming (2010 aufgelassen)
  • Krems - Emmersdorf (Wachau­bahn, Personen­ver­kehr 2010 einge­stellt; Touristen­verkehr durch NÖVOG)
  • Friedberg - Oberwart (Pinkatalbahn, Personen­ver­kehr 2011 aufge­lassen; noch privater Güter­verkehr)
  • Deutschkreutz - Oberlois­dorf (Burgen­land­bahn, einge­stellt 2013; im nördlichen Abschnitt Fahrrad­draisinen)
  • Hermagor - Kötschach-Mauthen (möglicher­weise Museums­verkehr, einge­stellt 2016)
  • Weizelsdorf - Rosenbach (aufge­lassen 2016)
  • Mistelbach Lokalbahn - Hohenau (Güter­verkehr ca. 2016 einge­stellt)

Fazit & Ausblick

Es gab viele Planungen, allerdings kam es oft ganz anders als gedacht. Bedenklich ist, dass in den 80er Jahren anscheinend die jetzige Flughafen­bahn (!) und die Strecke von St. Pölten nach Krems aufge­lassen werden sollten - letztere Strecke wird in naher Zukunft elektrifiziert.

 

Im Jahr 2010 wurde überlegt, die Strecke Neusiedl/See - Wulka­proders­dorf nicht ins Ziel­netz aufzu­nehmen, obwohl sie erst kurz davor elektri­fiziert wurde. Aller­dings kam es immer wieder vor, dass in Bahn­strecken viel Geld investiert wurde, die wenig später jedoch aufge­lassen wurden. Zudem war unter anderem vorge­sehen, die Strecke zwischen Ebensee und Stainach-Irdning aufzugeben, da große Investitionen anstanden. Glücklicher­weise kam es nicht dazu, diese Bahn­strecke ist nun aufgrund vieler Touristen vor allem aus Asien gut ausgelastet.

Niederösterreich

Die nach den zahlreichen Einstellungen im Jahr 2010 noch existierenden Regional­bahnen in Niederösterreich dürften in Betrieb und im Besitz der ÖBB bleiben bzw. teil­weise auch modernisiert werden - sogar eine Elektri­fizierung vieler Neben­bahnen ist zur­zeit geplant:

  • Wien - Marchegg - Bratislava (in Bau)
  • Pöchlarn - Scheibbs (bis 2025)
  • St. Pölten - Hainfeld bzw. Schrambach (Traisen­tal­bahn, bis 2025)
  • Wr. Neustadt Hbf. - Puchberg am Schnee­berg (Puch­berger Bahn, bis 2027)
  • Wiener Neustadt - Sopron
  • Hadersdorf am Kamp - Sigmunds­herberg (Kamp­tal­bahn, bis 2027)
  • Herzogenburg - Krems (Kremser Bahn, bis 2027)

 

Einzig das Schwein­barther Kreuz wird leider mit Dezember 2019 einge­stellt, was sich in Zukunft als großer Fehler heraus­stellen könnte: Die ehemalige Straßen­bahnlinie 360 von Wien Rodaun nach Mödling ist dafür ein gutes Beispiel. Wie diese Straßen­bahn befindet sich das Schwein­barther Kreuz in unmittel­barer Nähe zu Wien, bei ent­sprechender Attraktivierung (Ver­knüpfung mit der Schnell­bahn in Richtung Wien) könnte diese Bahn­strecke in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Man stelle sich vor, selbst die Badner Bahn schrammte in den 80ern nur knapp an der Ein­stellung vorbei, heute ist sie ein unverzicht­barer Bestand­teil des (öffent­lichen) Verkehrs.

 

Zu hoffen wäre noch, dass die Strecke von Pern­hofen nach Zellern­dorf für den Güter­verkehr erhalten bleibt.

Wien

In naher Zukunft wird der Nordwest­bahnhof für den Güter­verkehr aufge­geben und nach Wien Inzersdorf ver­lagert werden.

 

Ansonsten sind folgende Verbes­serungen geplant:

  • Wien Hütteldorf - Wien Penzing (Vorortelinie S45): zweigleisiger Ausbau für 7,5 Minuten-Takt und Errichtung Hst. Wien Baumgarten
  • Verlängerung der S45 im Abschnitt Wien Handelskai - Wien Praterkai
  • Wien Hütteldorf - Wien Meidling (Verbindungs­bahn S80): Durch­gehend 2-gleisiger, kreuzungs­freier Ausbau und Errichtung von neuen Halte­stellen
  • Wiener Stamm­strecke: Einführung von ETCS 2 und Verlängerung der Bahnsteige auf 220m; diese Maß­nahmen ermöglichen das Führen längerer Züge (Dreifach-Garnituren) und dichtere Inter­valle.
  • Wien Meidling - Mödling (Südbahn): vier­gleisiger Ausbau und Errichtung von zwei neue Haltestellen Tullnertal­gasse und Brunn Europa­ring
  • Wien Meidling - Abzweigung Altmanns­dorf (Potten­dorfer Linie): zweigleisiger Ausbau

 

Quelle und mehr Infos: https://blog.oebb.at/zweites-schienen-infrastruktur-paket/

Oberösterreich

Die Zukunft zahlreicher Strecken in Ober­österreich war lange Zeit ungewiss, insbe­sondere das Schick­sal der Mühl­kreis­bahn und der Almtal­bahn. Laut der­zeitigem Stand (Herbst 2019) soll jedoch keine einzige (!) Neben­bahn einge­stellt werden, sondern alle bestehenden Strecken modernisiert und teil­weise sogar elektri­fiziert werden:

  • Steindorf - Braunau (Mattigtalbahn)
  • Neumarkt-Kalham - Ried - Braunau - Simbach (Innkreisbahn, bis 2029)
  • Linz - St. Nicola (Donauuferbahn)
  • Linz-Urfahr - Kleinzell (Mühlkreisbahn)
  • Wels - Sattledt (Almtalbahn)

 

Mehr Infos: https://blog.oebb.at/infrastrukturoffensive-oberoesterreich/

Andere Bundesländer

In der Steier­mark gibt es noch einige gefährdete Bahn­strecken, dazu zählt unter anderem die Strecke von Spielfeld-Straß nach Bad Radkers­burg, trotz der erst kürzlich erfolgten Investitionen (Eigentümer ÖBB). Zudem weiß ich nicht, wie es mit der Murtal­bahn bzw. Gleichen­berger Bahn weiter­gehen wird (Eigen­tümer Steier­märkische Landes­bahnen). Es ist geplant, die Graz-Köflacher­bahn (GKB) zu elektrifizieren.

 

In den übrigen Bundes­ländern sind keine Strecken von einer Ein­stellung bedroht, wenn man vom Teilstück St. Paul - Bleiburg Stadt der Jauntalbahn absieht. Im Burgen­land und in Kärnten wurden ein paar Neben­bahnen erst in den letzten Jahren aufge­geben.

 

In Kärnten werden die folgenden Neben­bahnen elektrifiziert:

  • Arnoldstein - Hermagor (Gailtalbahn S4)
  • Klagenfurt Hbf. - Weizelsdorf (S3)
  • Lavanttal - Wolfsberg (S1)

Seite erstellt am 25.11.2019. Zuletzt geändert am 12.12.2019.