Ist Gold als (gute) Anlage geeignet?

Zu Gold gibt es sehr widersprüchliche Meinungen: Einer­seits gibt es richtige Gold­hasser, anderer­seits die Gold­lieb­haber. Auf dieser Seite möchte ich mich mit den ver­schiedenen Stand­punkten zu diesem doch recht um­strittenen Thema beschäftigen. Dazu gehören auch Tabellen und Dia­gramme, die die historische Entwicklung von Gold und Aktien zeigen. Sie er­fahren hier, welche Möglich­keiten es zur Anlage in physisches Gold gibt und wo Sie es dann lagern können.

Zudem wage ich einen Aus­blick, wie sich der Gold­preis in der nahen Zukunft ent­wickeln könnte.

 

Hinweise:

  • Empfehlenswert ist auch mein Inflations- und Kauft­kraft­rechner
  • Die Informationen auf dieser Seite stellen keine Anlage­beratung oder Empfehlung dar. Ich über­nehme keine Ver­ant­wortung für even­tuell ent­stehende Ver­luste.

Wichtige Eigenschaften von Gold

Gold erfüllt alle Eigen­schaften, die eigent­lich auch Geld haben sollte:

  • wertvoll: begrenzt ver­füg­bar und nur sehr auf­wändig zu gewinnen (im Unter­schied zu Fiat­geld wie Euro oder US-Dollar). In der ganzen Mensch­heits­geschichte wurden bis heute nur rund 200,000 t Gold gefördert. Diese Menge könnte in einem Würfel mit 22 m Kanten­länge unter­gebracht werden.
  • dauerhaft haltbar: beständig gegen alle Witterungs­ein­flüsse, wird auch nicht von Tieren ge­fressen.
  • leicht trans­portier­bar & sehr hohe Wert­dichte: 10 kg Gold ent­sprechen auf­grund seiner hohen Dichte einem Würfel mit einer nur 8.03 cm langen Seite und sind über 500,000 € wert, also so viel wie ein Haus!
  • notfalls auch beliebig teilbar.
  • Schutz vor Inflation und Deflation: Schaut man sich die Ge­schichte an, stellt man fest, dass Gold eigent­lich alle bis­herigen Krisen recht gut über­standen hat. Gold hat sich insbe­sonders bei hohen Inflations­raten, bei Hyper­inflation und danach erfolgten Währungs­reformen bewährt. Bei Währungs­reformen können Spar­ein­lagen sehr viel an Wert ver­lieren, der Wert von Gold bleibt jedoch unge­fähr gleich.
  • Gold kann sich fast jeder kaufen, weil es auch in kleinen Stückelungen erhält­lich ist. Es ist jedoch besser, größere Ein­heiten anzu­schaffen, da man so mehr Gold fürs gleiche Geld bekommt.
  • Kursgewinne sind nach einer Halte­dauer von 1 Jahr (noch?) steuerfrei. Gold ist zudem in der gesamten EU mehr­wert­steuer­frei er­hält­lich (Stand: 2020).

Wer besitzt das Gold der Welt?

Laut goldreporter.de ist fast die Hälfte des Goldes in Form von Schmuck in Ver­wendung. Die Zentral­banken be­sitzen zusammen ca. 17 %. Etwa 20 % - also rund ein Fünftel - werden von privaten An­legern gehortet: Es führen die Inder und die Chinesen vor den Deutschen. Auf Platz vier liegen die Türken.

 

Laut Wikipedia verfügen Länder bzw. Zentral­banken im Jahr 2019 über die folgenden offiziellen Gold­reserven (voll­ständige Liste auf Wikipedia):

  • Eurozone: 11944 Tonnen
  • USA: 8134 Tonnen
  • Deutschland: 3370 Tonnen
  • IWF: 2814 Tonnen
  • Schweiz: 1040 Tonnen
  • EZB: 505 Tonnen
  • Österreich: 280 Tonnen

Ent­wicklung von Gold & MSCI-World 1968 - 2020

Hier finden Sie zwei Diagramme, die einer­seits die Ent­wicklung des Gold­preises sowohl in US-Dollar als auch in Euro und anderer­seits die Ent­wicklung des Aktien­index MSCI-World zeigen. Diesem Index liegen über 1600 Aktien aus 23 Industrie­ländern zu­grunde.

Entwicklung des Goldpreises in Euro ab 2000

Als größte Nach­teile von Gold werden meist die schlechte Rendite, die nicht vor­handenen Zinsen und Divi­denden und das hohe Schwan­kungs­risiko (= Volatilität) genannt.

 

Schauen wir uns einmal die historische Ent­wicklung des Gold­preises an. Im rechten Dia­gramm sieht man diese Ent­wicklung in Euro von Anfang 2000 bis Ende September 2020.

 

Der Ver­lauf wurde in diesem und im folgenden Dia­gramm etwas ver­ein­facht.

 

Goldpreisentwicklung in € von 2000 - 2020
Goldpreisentwicklung in € von 2000 - 2020

MSCI-World Kursindex und Goldpreis in US-Dollar von 1968 bis 2020

Die nächste Ab­bildung zeigt den Preis je Unze Gold in US-Dollar (linke Skala) und den MSCI-World Kursindex (rechte Skala) in den Jahren von 1968 bis 2020. Im Kurs­index sind im Gegen­satz zum Per­formanc­eindex Aus­schüttungen wie Divi­denden nicht berück­sichtigt. Wie man sieht, wech­seln sich gute und schlechte Phasen ab:

 

Entwicklung von Goldpreis in US-Dollar je Unze und MSCI-World Kursindex von 1968 - 2020
Entwicklung von Goldpreis in US-Dollar je Unze und MSCI-World Kursindex von 1968 - 2020

 

 

In der folgenden Tabelle finden Sie Phasen, in welchen sich Gold bzw. der Aktien­index MSCI-World gut oder schlecht ent­wickelten. Nega­tive Per­for­mance wird in roter Schrift darge­stellt, positive Per­for­mance in blauer Schrift. Die bessere Anlage­form ist zu­sätz­lich noch grün hinter­legt:

 

 

   

durchschnittliche

jährliche Veränderung in %

Phasen Gold & Aktien

 Anzahl Jahre  Gold in US-$  MSCI-World *
1970 - 1981
11 26.4 3.8
1981 - 2000 19 -4.1 12.7
Aktien-Phasen      
2000 - 2003

3

8.7 -21.1
2003 - 2007 4.5 14.4 21.1
2007 - 2009 1.5 23.0 -44.8
2009 - 2020 11 7.0 11.9

Gold-Phasen

     
2000 - 2011 11 20.3 -1.7
2011 - 2015 4 -13.4 8.3
2015 - 2020 5 13.4 7.5

 

* Kursindex, Dividenden sind hier - im Unter­schied zum Per­for­manc­eindex - nicht berück­sichtigt.

Markante Ereig­nisse

  • 1973: erste Ölpreiskrise
  • 1979: zweite Ölpreiskrise
  • 1980 - frühe 2000er: relativ hohe Zinsen auf Spar­gut­haben, die Noten­banken vieler Länder ver­kauften ab den 90er Jahren viel Gold; Gold war des­halb unat­traktiv und der Preis sank laufend auf­grund mangelnder Nach­frage. Auch der Staat Österreich ver­scherbelte viel Gold: Besaß Österreich 1992 noch 645 Tonnen Gold, sind es jetzt nur noch 280 Tonnen - nachzu­lesen in einem NEWS-Artikel.
  • 2000: Platzen der Dotcom-Blase
  • ab 2007: Finanzkrise und anschließende Welt­wirt­schafts­krise
  • ab 2009: Eurokrise
  • ab 2010: griechische Staats­schulden­krise
  • 2012: Eurokrise angeblich gelöst, viele Menschen ver­trauten wieder dem Euro
  • ab 2019/2020: Beginn einer weiteren Wirt­schafts­krise, ver­stärkt durch Corona

 

Wie man erkennen kann, erreicht der Gold­preis seinen Höhe­punkt nicht gleich zu Beginn von Krisen, sondern mit gewisser zeit­licher Ver­zögerung.

Vergleich der Per­for­mance von Gold & Aktien

Schauen wir uns nun die durch­schnitt­lichen jähr­lichen Renditen in % von Gold und aus­ge­wählten Aktien (ohne Divi­denden) im Ver­gleich an. Es handelt sich nur um Richt­werte, da es auf­grund von Kurs­schwan­kungen einen großen Unter­schied macht, wann genau eine Aktie bzw. Gold ge­kauft und wieder ver­kauft wird:

 

Zeitraum

Anzahl

Jahre

Gold

(US-$)

MSCI- World *

OMV

Wiener-

berger

VOEST Amazon

DAX-

Kurs *

2018 - 2019 1 22.9 11.9 7.7 19.0 -28.6 10.6 10.6
2016 - 2019 3 5.1 10.3 23.2 18.7 -9.8 31.2 5.5
2014 - 2019 5 5.3 6.1 16.2 19.6 -6.3 45.7 4.3
2009 - 2019 10 3.1 7.0 19.2 8.7 0.4 35.8 5.3
1999 - 2019 20 8.6 2.8 / / / / /
1990 - 2019

29

4.8

5.5

8.5 0.9 / / 5.3
1970 - 2020

50

7.7

6.5

        /

Durchschnittliche jährliche Ver­änderung in %

 

* Kursindex, Divi­denden sind hier - im Unter­schied zum Per­formanc­eindex - nicht berück­sichtigt.

Was ist noch zu bedenken?

  • Kosten der Lagerung bei Gold und Depot­gebühren bei Aktien
  • Ankauf & Verkauf: Marge Goldhändler; Börsen­gebühren und Trans­aktions­gebühren bei Aktien
  • Divi­denden, aber auch Kurs­gewinn­steuern, sind bei den Aktien in den hier an­ge­führten Tabellen nicht berück­sichtigt!

Aktien & Fonds

Die Kurse einzelner Aktien können sehr stark schwanken und sich auch gegen­läufig zum Aktien­index MSCI-World ent­wickeln. Bei­spiels­weise konnte man in den letzten Jahren mit einer VOEST-Aktie kaum Gewinne machen, während etwa die Aktien von Google (Alpha­bet), Amazon oder auch Wiener­berger weit über­durch­schnitt­lich per­formten. Man muss sich also gut aus­kennen, wenn man sein Geld in Aktien investiert.

Alternativ kann man sein Geld auch in Fonds an­legen: Durch einen Mix aus Aktien- und An­leihen wird das Risiko ge­senkt, aller­dings lassen sich damit - zumindest in den letzten beiden Jahr­zenten - selten gute Renditen er­zielen. Bei einger­maßen günstigem Ein­stieg war Gold im Ver­gleich zu Fonds die weit bessere Anlage.

Sparbuch

In der Ver­gangen­heit gelang es selbst mit einem Spar­buch, einen leichten Gewinn nach Abzug der Infla­tion zu er­zielen. Des­halb war in den 90er Jahren Gold relativ unat­traktiv, was sich in leicht fallenden Preisen zeigte. Seit mittler­weile vielen Jahren ist das nicht mehr mög­lich; das Geld auf dem Spar­buch wird laufend weniger wert und die Kauf­kraft sinkt. Schuld daran ist die Niedrig­zins­politik der EZB (Europäische Zentral­bank). Zurzeit (September 2020) bekommt man nur etwa 0.1 % Zinsen bei einer offi­ziellen In­flations­rate von 1-2 %.

Wann sollte man Gold & Aktien kaufen bzw. wieder verkaufen?

Beim Anlegen sowohl in Gold als auch in Aktien macht es für Gewinn (bzw. auch für Verlust) einen großen Unter­schied, wann gekauft bzw. wieder ver­kauft wird, wie man anhand der vorigen Tabellen und Dia­gramme sehr gut er­kennen kann.

Das veran­schau­licht auch die neben­stehende Abbildung:

Würden Sie diese Aktie zum Zeit­punkt "Anfangs­wert" kaufen und zum "End­wert" wieder ver­kaufen, hätten Sie einen Zu­wachs von 15.3 %. Kaufen Sie zum "Anfangs­wert 2", weil Sie denken, dass der Wert dieser Aktie steigen würde, und ver­kaufen Sie zum "End­wert 2" unter der An­nahme, dass der Kurs noch weiter fällt, machen Sie hin­gegen einen recht großen Ver­lust.

 

Chart
Screenshot eines Charts von finanzen.at

Kaufen sollte man prinzi­piell also dann, wenn der Preis tief ist und ver­kaufen, wenn der Preis mög­lichst hoch ist. Es ist jedoch zu bedenken, dass man manch­mal zum Ver­kaufen ge­zwungen sein könnte und daher nicht auf gute Preise warten kann. Oftmals weiß man zudem nicht, ob der Preis gerade hoch oder tief ist. Aus diesem Grund sollte man zwecks Riskio­streuung nicht allzu große Mengen auf einmal kaufen, sondern kleinere Mengen stets dann, wenn man meint, der Preis sei günstig.

Bei Gold ist das fast immer vor bzw. auch nach be­standenen Krisen der Fall. Kauft man hin­gegen zu einem Höhe­punkt wie 1981 oder 2012, muss man unter Um­ständen Jahr­zente warten, bis man wieder ver­lust­frei ver­kaufen kann.

Fazit zu Gold und Aktien

Sowohl Gold als auch Aktien sollte man eigent­lich immer besitzen, aller­dings ist deren jeweiliger An­teil anzu­passen: Gold und Aktien ent­wicklen sich näm­lich oft gegen­sätz­lich. Des­halb muss man schauen, in welcher Phase man sich gerade be­findet: In schwierigen Zeiten und bei niedrigen Zinsen auf recht sichere Anlagen wie Spar­buch oder An­leihen ist Gold ein gutes Invest­ment, sonst sind Aktien in der Regel besser ge­eignet.

Bei massivem "Geld­drucken" von Zentral­banken sind sowohl Aktien als auch Gold em­pfehlens­wert, da es sich bei beiden Anlage­formen um Sach­werte handelt und somit den Wert bei einer even­tuell folgenden hohen Inflation er­halten.

 

In den letzten 20 Jahren war Gold eine der besten Anlage­klassen, wenn man nicht gerade am Höhe­punkt 2012 kaufte und man ein paar sehr gute Aktien wie Google oder Amazon aus­blendet. Nach einer Krise kann man einen größeren Teil seines Goldes ver­kaufen und in Aktien oder Immobilien in­vestieren. Die Frage ist nur, wie weiß man, dass die Krise wirk­lich vorbei ist?

Anlegen in Gold

Hier erfahren Sie, wie viel Prozent seines Ver­mögens man in Gold an­legen sollte und was zu den Risiken bei einer Investition in Gold zählt.

Wieviel Gold kaufen ist sinn­voll?

Es gibt einen Spruch, dass man nie alle Eier in einen Korb legen sollte - man sollte stets diversi­fizieren, also das Risiko streuen. Gold­kritische Experten em­pfehlen, maximal 5 % des Ver­mögens in Gold zu inves­tieren. Gold­fans finden ein Drittel, also 33 %, oder sogar mehr Edel­metall­anteil gut. Generell wird in wirt­schaft­lich schwierigen Zeiten und bei gleich­zeitig niedrigen Zinsen mehr in Edel­metalle investiert als in wirtschaftlich ruhigeren Zeiten.

Der Edel­metall­anteil sollte zu 80 % aus Gold und zu 20 % aus Silber bestehen. Ein bisschen Platin ist auch nicht schlecht.

 

Konservative Anleger halten in Zeiten wie diesen ihr Ver­mögen zu 1/3 in Gold & Silber, 1/3 in Immo­bilien und 1/3 in Aktien, siehe Ab­bildung. Ein paar Pro­zente kann man auch in Krypto­währungen wie Bit­coin investieren.

 

Leute, die ins­gesamt nicht so viel Ver­mögen haben, sollten relativ gesehen mehr Gold und Silber besitzen als Reiche, da sie sich zum Bei­spiel keine Immo­bilien leisten können und somit auch der für Immo­bilien vorge­sehene An­teil zumindest teil­weise in Edel­metalle zu inves­tieren ist.

 

Anteile Gold & Silber, Aktien, Immobilien
Je 1/3 Gold, Aktien & Immobilien

Risiken bei einer Anlage in Gold

Bei der Anlage in Gold gibt es natür­lich auch gewisse Risiken zu berück­sichtigen:

  • Es kann zu einem staat­lich ver­ordneten Gold­verbot kommen, wobei man jedoch in diesem Fall meist das Gold - zu einem vielleicht un­günstigen Kurs - in Geld um­tauschen kann. Gold­ver­bote gab es in der jüngeren Geschichte immer wieder, vor allem in autoritären Staats­formen, aber auch in den USA:
    • USA (1933 bis 1974)
    • Deutschland (1923 - 1931 und 1936 - 1945)
    • China (1949 - 2003)
    • Großbritannien (1966 bis 1971)
    • Indien (1963 bis 1990)
    • Sowjetunion (1918 - 1987)
  • Einführen von Steuern auf Kurs­gewinne ähn­lich wie bei Aktien oder ähn­lich der KESt (Kapital­ertrag­steuer).
  • Einführung von Steuern auf den Gold­handel, z. B. Mehr­wert­steuer, und den Gold­besitz.
  • Kurs­schwankungen und ein damit even­tuell ver­bundener Wert­verlust, wenn der Gold­preis sinkt. Der Gold­preis wird wie der Preis fast aller Waren durch An­gebot und Nach­frage be­stimmt, also in diesem Fall durch An­leger, Schmuck­pro­duzenten, die Industrie und auch Zentral­banken.
  • Diebstahl, falls das Gold zuhause ge­lagert wird.
  • Kauf von gefälschtem Gold. Kaufen Sie nur bei be­kannten Händlern und eher nicht auf Ebay & Co, es sei denn, Sie können das Gold auf Echt­heit über­prüfen!

Prognose für einen zu­künftigen Gold­preis

Manche meinen, Gold sei zur­zeit (September 2020) stark über­bewertet und dass der Gold­preis daher auch wieder auf unter 1,000 € je Fein­unze fallen müsste. Andere be­haupten genau das Gegen­teil: Es gibt Pro­gnosen, dass der Preis für eine Fein­unze Gold schon in ein paar Jahren auf über 10,000 € steigen könnte.

 

Schaut man in die Ver­gangen­heit, stellt man fest, dass Pro­gnosen alles andere als zuver­lässig waren. Ein gutes Bei­spiel ist die Euro­krise ab dem Jahr 2010: Griechen­land, weitere Länder und der Euro konnten doch noch gerettet werden, sodass der Gold­preis ab dem Jahr 2012 wieder fiel. Dafür waren dank Corona fast alle Pro­gnosen für das Jahr 2020 falsch.

In den frühen 2000er Jahren hieß es, dass man Gold auf keinen Fall kaufen sollte und auch die Noten­banken ver­kauften große Mengen an Gold. Glück hatten jene, die das nicht glaubten: Damals kostete näm­lich eine Unze Gold gerade einmal 300 €, heute (Stand: Oktober 2020) muss man dafür schon 1600 € zahlen, also mehr als das Fünf­fache...

Negative Einflüsse auf den Gold­preis

Unter zumindest einer der folgenden Vor­aus­setzungen kann der Gold­preis künftig wieder stark fallen:

  • steigende Zinsen, sinkende Inflation oder Reduzierung der Geld­menge, sodass der Real­zins nicht mehr negativ ist: das Kapital wird dann unter anderem wieder ver­mehrt in An­leihen und Spar­büchern ver­anlagt (in nächster Zeit auf­grund der hohen Ver­schuldung vieler Staaten und Unter­nehmen nicht zu er­warten).
  • große Goldfunde auf Erde, Mars, ...; günstige künst­liche Her­stellung (alles eher unwahr­schein­lich)
  • gute wirt­schaft­liche Ent­wicklung und wach­sendes Sicher­heits­gefühl.
  • Nachfrage­einbruch von Schmuck­industrie und/oder Zentral­banken.
  • Liquiditätsprobleme: führen zu verstärkten Ver­käufen, was in Folge zu sinkenden Preisen führt (Bei­spiel März 2020). Aller­dings stellt sich die Frage, wie viele der Anleger, die Gold be­sitzen, in einer Krise auch tat­sächlich ihr Gold ver­kaufen müssen und ob dieser Effekt von längerer Wirkung ist.
  • Wenn die Staaten die zahl­reichen schon be­stehenden Probleme (Corona und Wirt­schafts­krise 2020) und auch die zukünftigen Probleme (vielleicht Banken­krise und neue Euro­krise) lang­fristig lösen. Es reicht even­tuell auch, dass nur sehr viele Menschen glauben, dass die Staaten die Pro­bleme lösen können. In diesem Fall könnte es in ein paar Jahren - ähn­lich wie nach der Euro­krise 2012 - zu einem stärkeren Rück­gang des Gold­preises kommen (aller­dings von einem recht hohen Niveau aus).

Positiver Ausblick auf den Gold­preis

Je unattraktiver und un­sicherer die alter­nativen Anlage­formen zu Gold werden, desto besser ist das natür­lich für den Gold­preis. Der Wert des Gold­es sollte in den nächsten Jahren steigen:

  • die Zinsen auf Spargut­haben und An­leihen bleiben weiter­hin niedrig bzw. fallen eventuell sogar noch tiefer (Negativ­zinsen)
  • enorme Schulden von vielen Staaten, Privaten und Unternehmen; even­tuell neue Finanz- bzw. Banken­krise und Euro­krise, die sogar in einer Währungs­reform enden könnte. Wir sind erst am Beginn einer großen Krise.
  • die EZB und auch andere Noten­banken die Geld­menge noch dramatisch aus­weiten werden, um das jetzige Geld­system um jeden Preis zu retten ("whatever it takes"). Das könnte in der Folge zu einer hohen In­flation oder sogar zu einer Hyper­inflation führen.
  • und die Un­sicher­heit auf der ganzen Welt eher größer wird.

 

Der Goldpreis ist zwar zur­zeit (September 2020) relativ hoch. Ich denke aber, dass wir uns erst am An­fang von zahl­reichen weiteren Krisen befinden dürften und der Preis daher mittel­fristig noch weiter steigen wird. In den nächsten Jahren halte ich einen maximalen Gold­preis zwischen 3000 und 4000 US-$ je Unze durch­aus für realistisch. Zwischen­durch wird es natürlich zu kleineren Hoch- und Tief­punkten kommen, wobei man die Tief­punkte zum Nach­kaufen nutzen kann.

Währungsreform

Im Falle einer Währungs­reform ist es prinzipiell sehr vor­teil­haft, Gold zu besitzen, da Gold seinen Wert fast behält, während Geld oft 90 % oder sogar mehr an Wert ver­liert. Solange aber die Inflation und auch die Zinsen recht niedrig bleiben, ist eine Währungs­reform ziem­lich un­wahr­scheinlich.

Sollte in diesem Fall jedoch eine gold­gedeckte Währung einge­führt werden, ist es durch­aus mög­lich, dass ein Gold­verbot erlassen wird.

 

Fest steht jeden­falls: Kommt es zu einer Währungs­reform, werden das nur ganz wenige Leute recht­zeitig wissen. Darum sollte man vor­sorgen, solange es noch geht!

Möglichkeiten der Goldanlage: Münzen & Barren

Hier wird aus­schließ­lich die physische Anlage in Form von Gold­münzen und Gold­barren be­handelt.

Welche Goldmünzen gibt es?

Zu den bekanntesten Goldmünzen gehören:

  • American Eagle
  • Britannia
  • China Panda
  • Lunar
  • Känguru
  • Krugerrand
  • Maple Leaf
  • Vreneli
  • Wiener Philharmoniker

 

Die in fünf verschiedenen Größen erhält­lichen Wiener Philhar­moniker der Münze Öster­reich AG (staatliche Münzprägestätte Österreichs) gehören zu den be­kann­testen Gold­münzen der Welt und bestehen zu 99.99 % aus Gold.

 

Beim Kauf von Goldbarren ist es vorteilhaft, auf eine LBMA-Zertifi­zierung zu achten. Bekannte Produzenten solcher Barren sind unter anderem das Schweizer Unter­nehmen Argor-Heraeus SA, C. Hafner und Umicore. Die Barren der Münze Öster­reich werden übrigens von Argor-Heraeus SA hergestellt.

Tabellen mit Preis in Euro pro Gramm Gold (22. September 2020)

In der folgenden Tabelle sehen Sie das Gewicht in Gramm, den Preis in Euro und den Preis in Euro pro Gramm Gold für die Wiener Philhar­moniker und Gold­barren. Es zeigt sich, dass größere Ein­heiten immer günstiger sind:

 

Goldbarren der Münze Österreich AG

Gewicht in g Preis in € Preis in € pro g
1 70,40 70,40
2 124,30 62,15
5 294,73 58,95
10 567,18 56,72
20 1100,94 55,05
50 2699,95 54,00
100 5373,79 53,74
250 13355,98 53,42
500 26633,63 53,27
1000 53110,43 53,11

Preise laut Münze Österreich; Stand: 22.09.2020

 

Goldmünzen Wiener Philharmoniker

Unze Feingold

Gewicht

in g

Preis

in €

Preis in € pro g

1/25

1,24 84,47 68,12
1/10 3,11 181,94 58,50
1/4 7,78 440,64 56,64
1/2 15,55 860,97 55,37
1 31,10 1681,33 54,06

Preise laut Münze Österreich; Stand: 22.09.2020


Tabelle mit Ankaufs­preisen & Verkaufs­preisen - Marge

Es ist auch inter­essant zu wissen, was man bei einem even­tuellen Ver­kauf zum selben Gold­kurs bekommen würde. Auf den Web­siten von Edel­metall­händlern oder auch Banken wird man fündig. Die folgenden Ankaufs- und Ver­kaufs­preise stammen von philoro.at. Die Marge des Händlers ist prozen­tuell gesehen umso kleiner, je größer die Gold­münze bzw. der Gold­barren ist:

 

Goldmünzen Wiener Philharmoniker

Unze

Feingold

Verkaufspreis

in €

Kaufpreis

in €

Handelsspanne

(Marge)

Marge in %

vom Kaufpreis

1/25 68,90 81,90 13,00 15,9
1/10 167,30 182,10 14,80 8,1
1/4 414,30 440,90 26,60 6,0
1/2 820,50 865,60 45,10 5,2
1 1624,80 1678,30 53,50 3,2

Preise laut philoro.at; Stand: 22.09.2020

 

Goldbarren der Münze Österreich AG

Gewicht in Gramm

Verkaufspreis

in €

Kaufpreis

in €

Handelsspanne

(Marge)

Marge in %

vom Kaufpreis

1 51,20 69,70 18,50 26,5
2 102,50 121,70 19,20 15,8
5 259,10 280,00 20,90 7,5
10 519,30 545,30 26,00 4,8
20 1039,50 1081,00 41,50 3,8
50 2598,40 2674,30 75,90 2,8
100 5197,00 5323,00 126,00 2,4
250 13003,00 13213,00 210,00 1,6
500 26006,00 26378,00 372,00 1,4
1000 51997,00 52647,00 650,00 1,2

Preise laut philoro.at; Stand: 22.09.2020

Soll man Barren oder Münzen kaufen?

Goldbarren sind meist eher lang­weilig anzu­sehen, während man bei Gold­münzen aus sehr vielen schönen Motiven wählen kann. Münzen sind meist auch gesetz­liches Zahlungs­mittel mit aufge­prägtem Nenn­wert und eher schwerer zu fälschen als Barren. Kleine Münzen sind zudem etwas günstiger als ver­gleich­bare Barren und man bekommt für die Münzen auch etwas mehr Geld beim Ver­kauf.

 

Ab Gewichten von etwa 5 Gramm dreht sich das Preis­ver­hältnis um, wobei jedoch kaum noch ein Unter­schied besteht: Der Preis für 1000 g Gold in Philhar­monikern würde umge­rechnet 54,060 € betragen, für den 1 kg Gold­barren 53,110 €. Die Münzen kosten also rund 950 € oder 1,8 % mehr als ein ver­gleich­barer Barren, dafür kann man aber bei Bedarf sehr leicht auch kleinere Mengen wieder ver­kaufen. Daher ist es oft viel wichtiger, den richtigen Zeit­punkt für das Kaufen bzw. Ver­kaufen zu wählen!

Fazit

Es zahlt sich finanziell immer aus, eher größere Münzen bzw. Barren zu kaufen: Die kleinste Gold­münze (1/25 Unze) kostet nämlich beim Kauf um etwa 26 % mehr als die ganze Unze. Außer­dem ist die prozen­tuelle Marge des Händlers bei einem Ver­kauf großer Münzen bzw. Barren kleiner, man bekommt also mehr Geld pro Gramm Gold. Falls man für größere Einheiten kein Geld hat, sollte man daher lieber eine Zeit lang darauf sparen.

Betrachtet man Gold als reines Invest­ment, das man nur in großen Mengen kaufen und auch wieder ver­kaufen möchte, ist der 1-Kilogramm Barren wohl die beste Wahl, aller­dings ist er nur für wenige leistbar. Für den normalen Bürger ist es sinn­voll, Gold­münzen ab einer Unze und Barren ab 50 g zu kaufen.

 

Allerdings kann es durchaus sinn­voll sein, in ein paar kleine Münzen oder Barren zu investieren, da eine Anlage in Gold ins­besonders für Krisen­zeiten gedacht ist und im Notfall kleinere Ein­heiten leichter ver­wertbar sind.

Wo kann man sein Gold lagern?

Bevor man Gold kauft, sollte man sich gut über­legen, wo man es auf­bewahrt. Es gibt einige mehr oder weniger sichere Mög­lich­keiten, sein Gold zu lagern:

  • Banktresor
  • Privater Tresor
  • Zuhause in der Wohnung oder im Haus
  • Eingraben

Lagerung in einem Banktresor

Im Allgemeinen ist diese Lagerungs­art sehr sicher, außer es kommt zu einer Ent­eignung durch den Staat, was man nicht völlig aus­schließen kann. Zu bedenken ist auch das Risiko einer Bank­pleite: Der Inhalt des Tresors gehört zwar - anders als die Geld­ein­lagen auf dem Konto - dem Kunden, aber man hat in diesem Fall für längere Zeit keinen Zu­griff mehr auf sein Eigentum. Zudem ist bei vielen Banken außer­halb der Öffnugs­zeiten der Filiale oft kein Zutritt möglich.

Ein Banktresor ist dafür noch relativ günstig. Aller­dings sollte man unbe­dingt eine Zusatz­ver­sicherung abschließen, da sonst bei einem (eher unwahr­schein­lichen) Ein­bruch der Wert des Goldes nicht voll­ständig ersetzt wird!

Lagerung in einem privaten Tresor

Neben Banken bieten viele weitere Unter­nehmen und auch Edel­metall­händler die Lagerung von Edel­metallen wie Gold und Platin an. Meist liegen die Kosten etwas höher, dafür ist man von den Banken unab­hängig, was gerade in wirt­schaft­lich schwierigen Zeiten von Vor­teil ist. Einige Anbieter ermög­lichen sogar einen 24 h Zutritt. Ansonsten gilt das­selbe wie bei einem Bank­tresor.

Lagerung zuhause in der Wohnung oder im Haus

Eine Lagerung in den eigenen vier Wänden kann sehr billig sein, besonders dann, wenn man - even­tuell sogar bewusst - auf einen Tresor ver­zichtet. Der große Vorteil ist, dass man das Gold bei sich hat und man jeder­zeit darüber ver­fügen kann. Aller­dings besteht ein ziemlich großes Risiko durch Dieb­stahl.

Vergraben

Natürlich könnte man sein Gold auch im Garten oder sonst wo ver­graben. Blöd wäre, wenn jemand anderer den Schatz findet. Es ist jedoch mög­lich, ihn zumindest vor Sonden­gängern - das sind Leute, die mit Metall­dektoren nach ver­grabenen Gegen­ständen im Boden suchen - sicher zu ver­bergen, indem man das Gold mindestens 1,5 Meter tief ver­gräbt. Zudem besteht natür­lich immer das Risiko, dass man selbst oder die Nach­fahren das ver­grabene Gold nicht mehr finden...

Seite erstellt am 01.10.2020. Zuletzt geändert am 22.10.2020.