Kurvengeräusche bei Schienenfahrzeugen (Kurvenkreischen)

Fährt ein Schienenfahrzeug durch enge Kurven, entstehen meist unangenehme Geräusche. Auf dieser Seite werden zunächst die Ursachen erläutert, im Anschluss findet man mögliche Lösungen und einen kurzen Film von meiner Gartenbahn.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die von Schienenfahrzeugen verursachten Kurvengeräusche - auch Kurvenkreischen genannt - werden von vielen Parametern beeinflusst:

  • Radaufstandskraft
  • Spurspiel
  • Trassierung: Überhöhung, Kurvenradius
  • Fahrgeschwindigkeit
  • Reibungsverhältnis im Rad-Schiene Kontakt: Witterung, Verschmutzung, Schmierung.
  • Art der Werkstoffe von Rad und Schiene
  • Ausführung des Fahrwerks inklusive Rad, Anlaufwinkel
  • Fahrtrichtung
  • Bergauf- oder Bergabfahrten: Beim Bergabfahren entstehen stets wesentlich lautere Geräusche - zumindest bei meiner Gartenbahn.

Das Kurvenkreischen setzt sich aus zwei Geräuschen zusammen:

  • Zischeln: Spurkranz läuft an der Flanke der Außenschiene an.
  • Quietschen: Entlanggleiten des Eisenbahnrades auf dem Schienenkopf der Innenschiene, tritt bei der Vollbahn in engen Kurven mit einem Radius kleiner als 250 m auf.

Professionelle Lösungen

Das Kurvenkreischen ist unter Umständen recht störend, vor allem das Kurvenquietschen wird vom menschlichen Ohr als sehr unangenehm empfunden. Bei der Eisenbahn im Maßstab 1:1 können folgende Maßnahmen gesetzt werden:

  • Schwingungsabsorber am Rad und/oder auf der Schiene
  • Radiale Einstellung der Radsätze
  • Besprühung der Schiene mit Wasser - hat bei meiner Gartenbahn auf Dauer kaum einen Nutzen gebracht.
  • Schmierung des Schienenkopfes (Schienenkopfkonditionierung) - siehe dazu auch das folgende Kapitel.
  • Spurkranz- oder Schienenflankenschmierung:
Schienenflankenschmierung der Straßenbahn in Wien Kagran
Hier ist deutlich das Bohrloch zu erkennen, aus dem das Schmiermittel austreten kann.
Schmierung der Schienenflanke (Wiener Straßenbahn in Kagran)
Dieses Bild zeigt, dass beide Schienenflanken geschmiert werden.

Schienenkopfkonditionierung mit HeadLub®

Für die Schienenkopfkonditionierung kann zum Beispiel das Produkt HeadLub® vom Schweizer Hersteller Igralub verwendet werden, das biologisch leicht abbaubar ist. Diese Firma bietet auch viele weitere Schmierstoffe an.

Video: Behebung des Kurvenkreischens mit HeadLub®

Wegen der engen Kurven auf meiner Gartenbahnanlage - es gibt Radien von nur 2.5 m - entstehen sehr unangenehme Geräusche, die den Nachbarn nicht zumutbar sind.

 

Das folgende Video zeigt einen Abschnitt meiner Strecke mit ca. 6 % Steigung, der Kurvenradius beträgt hier nur 2.5 m. Dieser Bogen wird einmal mit und einmal ohne HeadLub® durchfahren, wobei die Wirkung eindrucksvoll bewiesen wird.

Anmerkung:

HeadLub® wurde mir dankenswerterweise von der Firma Igralub kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist momentan für Privatanwender nicht erhältlich, da es nur in relativ großen Mengen erworben werden kann. Laut Hersteller soll es aber ab dem Jahr 2016 ein 1 kg Gebinde geben - Kosten ca. 60 € inkl. Mwst.

Wie wird der Schmierstoff aufgetragen?

Mittlerweile schmiere ich eigentlich nur noch die Schienenflanken, da die Erfahrung gezeigt hat, dass durch die Lokomotive genug Schmiermittel auch auf den Schienenkopf gelangt. Die Schienenflanken sind stets in einer Kurve zu behandeln, da auf einer geraden Strecke die Spurkränze die Schiene normalerweise nicht berühren!

 

Es reicht, HeadLub® mit einem Pinsel äußerst sparsam an nur wenigen Stellen der Anlage aufzutragen, da das Schmiermittel durch die Räder des Zuges über die gesamte Strecke verteilt wird. Die Wirkung bleibt selbst bei regem Betrieb lange Zeit aufrecht.

Zunächst sollte man wenig Mittel auftragen, ein paar Runden fahren und sehen, ob es schon hilft. Erst wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, etwas mehr HeadLub® aufbringen. Das Gefühl für die richtige Menge wird man mit der Zeit bekommen.

 

Nach einer längeren Betriebspause treten anfangs oft Kurvengeräusche auf, die aber nach ein paar Fahrten wieder verschwinden, ohne dass man erneut Schmiermittel auftragen muss.

Mögliche Alternativen zu Igralub

  • Ich habe im Internet gelesen, dass es hilft, die Schienen in Beton einzugießen. Diese Methode habe ich selbst noch nicht ausprobiert, es könnte aber funktionieren, da der Beton als Schwingungsabsorber wirkt.
  • Bevor ich das Produkt HeadLub® der Firma Igralub testen konnte, habe ich für meine 5 Zoll Gartenbahn Olivenöl verwendet, das sich recht gut bewährt hat. Die Wirkung hält selbst bei regem Fahrbetrieb lange Zeit an. Einziger Nachteil: Bei Regen bzw. hoher Luftfeuchtigkeit sind aufgrund der großen Steigungen keine Fahrten möglich, da sich dann eine extrem rutschige Schmierschicht aus Abrieb, Schmutz und Olivenöl bildet. Nach dem Trocknen der Schienen kann ein problemloser Betrieb sofort wieder aufgenommen werden.

Verwendung von Olivenöl - Umsetzung in der Praxis

Der Auftrag erfolgt mit einem in Olivenöl getränkten Tuch oder einem Pinsel, wobei nur ein paar Bereiche der Gleisanlage behandelt werden müssen, da sich das Öl durch die Räder allmählich gleichmäßig verteilt.

Folgende Stellen des Gleises sind zu ölen:

  • In erster Linie ist die Schieneninnenkante der bogenäußeren Schiene zu behandeln.
  • In engen Kurven auch die Kante der bogeninneren Schiene schmieren.
  • Unter Umständen muss ganz wenig Öl auch auf dem Schienenkopf der Innenschiene aufgetragen werden. Normalerweise ist dies aber nicht nötig, da beim Schmieren der Schieneninnenkante bzw. durch das Fahrzeug meist etwas Öl auch auf den Schienenkopf gelangt.

 

Prinzipiell sollte man zunächst wenig Öl aufbringen, einige Runden fahren und schauen, ob es schon hilft. Erst wenn das Ergebnis nicht zufrieden stellend ist, etwas mehr Öl auftragen. Mit der Zeit wird man ein Gefühl für die richtige Menge bekommen.

Sicherheitshinweis

Es sei darauf hingewiesen, dass zu viel Öl bzw. feuchte Witterung zu extrem rutschigen Schienen und in Folge zu gefährlichen Betriebssituationen führen kann, insbesondere bei steigungsreichen Anlagen. Die Anwendung erfolgt stets auf eigene Gefahr!!